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Sozialpolitik ist im Herbst en vogue
Herbstinitiativen.
Eine Plattform aus dem bisher eher rot-grünen Bereich
veranstaltet ein Volksbegehren zur Verteidigung des
Sozialstaates. Und die 14 Kirchen legen erstmals einen
Sozialbericht vor. WIEN (d. n.). Die Sozialpolitik ist in der
beginnenden Herbstsaison sehr en vogue. Im September starten
gleich drei einschlägige Initiativen.Neben der
ÖGB-Urabstimmung von 24. September bis 15. Oktober hat sich
eine Plattform rund um Wifo-Wirtschaftsforscher Stephan
Schulmeister, den Politologen Emmerich Talos und den Chirurgen
Werner Vogt einem Volksbegehren für den Sozialstaat
verschrieben.
Ziel: Artikel eins der Bundesverfassung soll um einen
Absatz "Österreich ist ein Sozialstaat" ergänzt werden.
Derzeit werden Mitstreiter gesucht, für 29. September ist
ein gesamtösterreichisches Treffen angesetzt. Und die 14
christlichen Kirchen in Österreich stellen am 12. September
erstmals einen Sozialbericht. Er soll danach in ein Sozialwort
der Kirchen münden.Das Volksbegehren soll nach Angaben der
Sprecherin, der Religionsjournalistin Renata Schmidtkunz,
überparteilich sein. Mindestens so wichtig wie die Kampagne
sei eine breite Debatte und die Mobilisierung aus allen sozialen
Bereichen, wie Schmidtkunz in der Katholischen Presseagentur
zitiert wird. Der Volksbegehrenstext: "Gesetzgebung und
Vollziehung berücksichtigen die soziale Sicherheit und
Chancengleichheit der in Österreich lebenden Menschen als
eigenständige Ziele. Vor Beschluß eines Gesetzes wird
geprüft, wie sich dieses auf die soziale Lage der
Betroffenen, Gleichstellung von Frauen und Männern und den
gesellschaftlichen Zusammenhalt auswirkt
(Sozialverträglichkeitsprüfung).
"Der Wiener
Caritas-Direktor Michael Landau äußert sich dazu im
"Presse"-Gespräch so: "Ich verstehe das Anliegen, mit der
Errungenschaft des Sozialstaates achtsam umzugehen. Er ist eine
Errungenschaft, die nicht vorschnell auf dem Altar
wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit geopfert werden darf."
Die Caritas sei eine Hilfs-, keine Volksbegehrensorganisation. Er
könne sich nur schwer vorstellen, als Organisation die
Aktion zu unterstützen.
© Die Presse, 31. August 2001
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