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"Schwarze" Hilfe für Volksbegehren
Christgewerkschafter für Verfassungsbestimmung
"Sozialstaat" - Kanzler ist dagegen
Wien - Der mächtige "schwarze" Beamtengewerkschaftschef
Fritz Neugebauer hat seine öffentliche Unterstützung
des Sozialstaats-Volksbegehrens kundgetan. Wie berichtet, fordert
das überparteiliche Proponentenkomitee eine eigene
Verfassungsbestimmung, wonach Österreich ein Sozialstaat
sei. Etwas, das von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel nach dem
gestrigen Ministerrat als "abstrakte Bestimmung" abgelehnt wurde.
Die Regierung bekenne sich zum Sozialstaat. Er würde sich
von den Sozialpartnern aber eher konkrete Vorschläge - etwa
zur Reform der Abfertigung - wünschen, sagte der
Kanzler.
Gegen Neoliberalismus
Im STANDARD-Gespräch erläuterte Neugebauer seine
Motive: "Ich halte eine eindeutige Positionierung gegenüber
dem stärker werdenden Neoliberalismus für wichtig."
Daher werde die Fraktion Christlicher Gewerkschafter das
Volksbegehren unterstützen. Auf die Frage, ob er solche
neoliberalen Kräfte auch in der heimischen Regierung und
speziell in der ÖVP sehe, meinte Neugebauer: "Es mag welche
geben. Aber das ist nicht die grundsätzliche Haltung der
Volkspartei." Speziell dem Bundeskanzler bescheinigt Neugebauer
Verständnis für die Sozialpartner, weil er selbst aus
dessen Reihen (dem Wirtschaftsbund) komme. Seine
Unterstützung des Volksbegehrens habe nichts mit der
aktuellen Kritik der Freiheitlichen am ÖGB zu tun, meinte
der Christgewerkschafter. Dieser Kritik werde sich die
Gewerkschaft aber insgesamt stärker entgegenstellen
müssen.
Der Bundeskanzler wiederum forderte Reformwillen von den
Sozialpartnern ein: "Versteinerung kann nicht die Antwort sein."
Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer wiederholte in der
dienstägigen "Doppelconference", dass es der FPÖ nicht
um die "Zerschlagung" des ÖGB gehe. "Es geht darum, dass der
ÖGB derzeit von Leuten geführt wird, die die
Solidarität mit Füßen treten und der
Arbeitnehmervertretung schwer schaden", so die Vizekanzlerin. Der
ÖGB müsse überparteilich werden und Privilegien
abbauen.
Keine Sondersitzung
Die für den Donnerstag vorgesehene Sondersitzung des
Nationalrates zum Thema ÖGB wurde angesichts der
Anschlagsserie in den USA abgesetzt.
Sozialminister Herbert Haupt hatte davor eine Direktwahl der
Gewerkschaftsspitze gefordert. Dasselbe wünscht sich
ÖAAB-Chef Werner Fasslabend.
Aus den Reihen des ÖGB forderte dessen Leitender
Sekretär Richard Leutner die Regierung solle "endlich
Maßnahmen für und nicht gegen die Menschen" ergreifen,
anstatt eine autonom organisierte Arbeitnehmervertretung infrage
zu stellen. (mon)
© DER STANDARD, 12. September 2001
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