|
|
Volksbegehren Sozialstaat gestartet
Wien - Die Verankerung des Sozialstaates in der
österreichischen Bundesverfassung ist das Ziel eines
Volksbegehrens, das am Mittwoch mit dem Sammeln von
Unterstützungsunterschriften gestartet wurde. Anlass sei der
zur Zeit raue Wind in Sachen Solidarität und
Sozialstaatlichkeit, so die InitiatorInnen Johanna Dohnal,
Stephan Schulmeister, Werner Vogt und Emmerich Talos.
Schutzmechanismus
In Artikel 1 des Bundesverfassungsgesetzes ist das demokratische
Prinzip Österreichs festgelegt. In Absatz 2, so wollen es
die Initiatoren und Unterstützer des Volksbegehrens, solle
nun ein sozialstaatliches Prinzip geschaffen werden. Damit, so
Udo Jesionek, Präsident des Jugendgerichtshofes in Wien und
Unterstützer des Volksbegehrens, werde auch für die
Sozialgesetzgebung der Verfassungsgerichtshof als oberstes
Schutz- und Sicherheitsorgan eingeschaltet. Heute könnte
durch einfaches Gesetz das gesamte Arbeits- und
Sozialversicherungsgesetz abgeschafft werden, ohne dass es einen
weiteren Schutzmechanismus dagegen gebe.
Europaweite Entwicklung
Mit der verfassungsrechtlichen Verankerung des Sozialstaates
würde in Österreich eine Entwicklung nachvollzogen, die
es in allen anderen EU-Staaten bereits gebe, stellte Emmerich
Talos, Politikwissenschaftler an der Universität Wien, fest.
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel meine offenbar einen anderen
Sozialstaat als die Initiatoren und Unterstützer des
Volksbegehrens. Und wenn Finanzminister Karl-Heinz Grasser vom
geplanten Umbau Österreichs in einen liberalen Staat mit
sozialen Komponenten spreche, so führe das von der
Sozialstaatlichkeit eindeutig weg, meinte Talos.
Verbilligung
Für den Wiener Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister
handelt es sich bei dem geplanten Volksbegehren um ein
überparteiliches Projekt: "Wir lassen uns nicht in ein
rot-grünes Eck stellen." Und der Arzt Werner Vogt will
nachweisen können, dass jede Qualitätssteigerung des
Sozialstaates zu eine deutlichen Verbilligung des Systems
führe. "Wir können uns den Sozialstaat leisten und wir
brauchen ihn", stellte Vogt fest.
Soziale Kälte
Besonders viele Frauen seien von der sozialen Kälte in
Österreich betroffen, erklärte die ehemalige
Frauenministerin Johanna Dohnal. "Auch wenn es heute in
Österreich nicht mehr schick ist, so fordern wir doch die
Menschen auf, anzuschauen, was passiert, und wollen sie für
das Sozialstaat-Volksbegehren gewinnen", unterstrich Dohnal.
© Kurier
|
|