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Ein üblicher Verdächtiger
Kabarettist Lukas Resetarits macht sich stark gegen Untertanen-Denken
Für die meisten gehört er zu den "üblichen Verdächtigen". Lukas Resetarits ist halt ein Roter. "Dabei vergisst man, dass die spin-doctors der SPÖ Bestandteil meines Programms waren." Der Kabarettist will sich nicht einordnen lassen, er will aufzeigen, was ihm nicht passt in diesem Land.
SOZIALABBAU Zurzeit tut er dies mit seinem Engagement für das Sozialstaat-Volksbegehren. "Es geht nicht darum, gegenzusteuern,, gegen einen radikalen Sozialum- und abbau." Er hat das Gefühl, dass der Sozialstaat quasi eliminiert werden soll. "Den Leuten wird alles in Eigenvorsorge überlassen. Sie werden mehr und mehr gezwungen, sich über die Börsen selbst abzusichern. Damit wird das Risiko zu 100% dem einzelnen weiter gegeben."
Unter dem Vorwand, dass alles nicht mehr finanzierbar sei, wolle der Staat seine sozialen Aufgaben einfach nicht mehr erfüllen. "Diese Entwicklung geht gegen den Konsens der 2. Republik, dass Österreich ein Sozialstaat mit solidarischen Modellen ist."
UNTERTANEN Resetarits ärgert ganz besonders, dass den Menschen glauben gemacht wird, sie seien Untertanen. "Sie vergessen, dass sie die sind, die den Staat finanzieren. Wenn sie krank sind oder einen Unfall haben oder ein Kind kriegen, haben sie das Gefühl, dass sie zur Last fallen. Das Geld, das sie bekommen, halten sie für ein Geschenk, für das man dankbar sein muss." Für den Künstler hat das Volksbegehren den Zweck, das "demokratische und soziale Selbstbewusstsein" zu stärken.
"Die Frage ist: Wer ist für wen da. Sicher nicht wir für die Regierung." Resetarits will diese Entwicklung aber nicht allein der schwarzblauen Regierung zuschreiben. "In der großen Koalition war das auch schon so. Deshalb wird es Zeit, Signale zu setzen, weil sonst möglicherweise etwas irreparabel zerstört wird. Mach dem Motto `speed kills´ - aber wen?"
Überhaupt stehe Sozialdemokratie heutzutage keinesfalls mehr automatisch für Sozialstaat. "Man braucht nur an den Soft-Thatcherismus in Großbritannien unter Blair zu denken, wo Neoliberalismus betrieben wird.
Hier zu Lande beunruhigt den Künstler aber vor allem das Wie. "Die Regierung handelt nach dem Motto, ihr braucht`s gar nicht fragen, ihr kriegt`s die Antworten, die geben wir euch.` Das hat für mich autoritäre Züge."
Diese Regierung lege es darauf an, das historisch gewachsene Untertanen-Denken wieder zu verstärken.
Der Kabarettist freut sich darüber, dass es für das Volksbegehren gelungen ist, "Unverdächtige" an Bord zu holen. Denn die meisten Begehren gingen von Parteien oder Interessensvertretungen aus - "dieses soll von den Bürgerinnen und Bürgern ausgehen.". Proponenten wie der Politikwissenschafter Emmerich Talos, der Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister oder der Mediziner Werner Vogt, seien Beweis für die breite Plattform.
GEGENSTRÖMUNG Positiv bewertet Resetarits Unterstützungen, die von unerwarteter Seite kommen - etwa von der ÖVP Steiermark. "Gerade in der Volkspartei gibt es nicht nur die, die mit der FPÖ gut können." Für ihn wird die Frage interessant, ob die Partei aufmachen wird und frei abstimmen lässt, wenn das Volksbegehren ins Parlament kommt (mindestens 100.000 Unterschriften sind nötig). "Wenn man das Volksbegehren abdreht und deutlich verhindert, ist das ein Signal."
Dass sich Künstler in Österreich politisch zu Wort melden, ist vor allem seit der Wende in Mode. Resetarits musste sich nie vorwerfen lassen, unpolitisch zu sein. Umso besorgter ist er, wie stark das Engagement der Kollegen anhält. "Die Gefahr besteht, dass sich viele wieder abmelden, wenn die SPÖ wieder in der Regierung ist."
Er hofft aber, dass die Kunstleute nicht zurücksinken und sagen, "jetzt ist eh alles wie früher." Vielmehr sollen sie die Verantwortung wahrnehmen gegenüber jenen, die sich sonst kein Ohr verschaffen können. "Wer so etwas macht, braucht auch eine gewisse Demut."
Allzu großen Illusionen gibt er sich aber nicht hin. Nach kurzem Intermezzo wird sich der eine oder andere wohl wieder ins Privatleben zurückziehen - und Lukas Resetarits wird wieder, was er immer war: Ein "üblicher Verdächtiger".
Quelle: Kurier
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