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Senioren, keine "zahnlose Masse"
Pensionistenverbandschef Karl Blecha ruft zu Protesten und Kampf auf
Wien - Das Wort "beschließen" lässt Karl Blecha nicht gelten. Für ihn hat die Regierung Freitag im Ministerrat die Pensionsanpassung "diktiert". Bitte, soll sie sehen, was sie davon hat: "Die Regierung verhöhnt die ältere Generation. Die haben die Pensionsanpassung diktiert, und wir sagen - weg mit ihnen. Neuwahlen, so schnell wie möglich."Dass der Präsident des Pensionistenverbandes so denkt, ist für ihn nur logisch. Denn: "Die Hauptwaffe des Pensionisten ist der Stimmzettel." Fast zwei Millionen Pensionisten sind die Mehrheit der Wähler - und die verhöhne man nicht mit 1,1 Prozent Pensionsanpassung, unter der Inflationsrate, punktum.Neuwahlen sind das Ziel, und um dorthin zu kommen, hat der 67-jährige Blecha eine Strategie: Nein, keine Demonstrationen - "die bringen ja nichts". (Wenn Blecha seine Senioren bewegt, dann zum Massenurlaub in die Sonne.)Für Reisen nach Griechenland hat er jetzt keine Zeit: Am Freitag hat seine Pensionistenaufrüttelungstour begonnen, in Kärnten gegen "Pensionsraub" und "sozialpolitischen Skandal" gewettert, und die "ungeheuer empörten" (Blecha) älteren Semester aufgefordert, den Ministern und dem Kanzler einmal ordentlich die Meinung zu sagen - via Telefon, Brief, Fax. Und außerdem sollen die Senioren das Sozialstaatsvolksbegehren unterschreiben, jawohl.Hunderte solche Veranstaltungen wird er in den nächsten Wochen abhalten; Blecha freut sich schon, der Regierung beweisen zu können, was er gleich nach seinem Amtsantritt versprochen hat: "Die Senioren sind keine zahnlose Masse mehr."Für Slogans hat Charly Blecha einen Riecher, das hat er in langen SPÖ-Zentralsekretärsjahren gelernt. Unter Kreisky, wie er den wenigen Pensionisten, die sich nicht ohnehin daran erinnern, gern erzählt. Die Jahre danach, die als Innenminister, die mit einer Verurteilung im Noricum-Prozess endeten, darüber spricht er nicht so gern. Das ist ohnehin Geschichte, nach der Verurteilung gab es zehn Jahre Politikpause (und Geschäfte mit Ost- und Ölfirma) - und seit 1999 erlebt Blecha seinen x-ten politischen Frühling als Pensionistenchef. Und will als Rächer der Pensionisten nun den Kampf mit der Regierung aufnehmen, vorerst mit dem (endlich, Slogan) "Aufruf zum Anruf". Eine erste Reaktion von Sozialminister Herbert Haupt gibt es schon: Er hat eine Telefon-Hotline eingerichtet.
Quelle: Der Standard
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