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Ostern und Volksbegehren
Die Evangelische Kirche in Deutschland führt derzeit eine große Kampagne mit offenen Fragen durch. Die erste Frage lautet: Woran denken Sie bei Ostern? Als Antworten werden angeboten (in Klammer der derzeitige Stand der Zustimmung): Cholesterinspiegel (5 Prozent), Auferstehung Jesu (74 Prozent), Langeweile in der Familie (5 Prozent), Ferien (16 Prozent).
Die Evangelischen in Österreich denken heuer bei Ostern womöglich auch ans Sozialstaat-Volksbegehren, das von ihrer Kirche unterstützt wird. Die Unterstützung des Volksbegehrens von Seiten der Kirche ist "klar und logisch", meinte der Präsident der Synode, Peter Krömer, vorige Woche, vertritt es doch "Uranliegen" der Bibel und der Bekenntnisgrundlagen der Kirchen: Die Option für die Armen, die Schwachen und Benachteiligten, die Forderung nach Gerechtigkeit, Solidarität und Subsidiarität sind gesellschaftspolitische Anliegen, die den Kirchen vom Evangelium her auf- und vorgegeben sind. Von daher ist auch die im Bereich der evangelischen Kirche und Diakonie entwickelte Idee einer "Sozialverträglichkeitsprüfung" zu verstehen, die nun zu den zentralen Forderungen des Volksbegehrens gehört.
Diese öffentliche Stellungnahme für das Sozialstaat-Volksbegehren hat gleich heftige Diskussionen hervorgerufen. "Tagespolitische Einmischung!" so heißt es und: "Die Kirche hat doch andere Aufgaben!" Aber die Kirche kann und darf sich nicht in einer Nische der pluralistischen Gesellschaft mehr oder weniger bequem einrichten. Ihre Verkündigung muss sich darin bewähren, dass sie Ferment einer gerechten und solidarischen Gesellschaftsordnung wird.
Für die Verkündigung von Ostern kann das bedeuten: Die gerechte und solidarische Gesellschaft realisierte sich in der Tischgemeinschaft. Es kam zum Konflikt mit den Interessen der Mächtigen, die solche Erfahrungen im wahrsten Sinn des Wortes durch-kreuzten. Doch das behielt nicht das letzte Wort. Das letzte Wort behielt die Kraft der Auferstehung.
Der Autor ist Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich.
Quelle:
Die Furche
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