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Abfangjäger gegen Sozialstaat
Österreich ist ein reiches Land. Leider auch reich an Armut. Neunhunderttausend Menschen leben an der Armutsgrenze, dreihundertvierzigtausend sind arm, haben zu wenig, um sich richtig ernähren, um sich kleiden zu können. Sie leben in desolaten Wohnungen, ihre Kinder leiden, sie sind auf Almosen angewiesen, sonst gibt es keine Ostern, keinen Skikurs, Urlaub gibt es sowieso keinen.
Die Regierung weiß das, tut nichts dagegen, bestellt sich aber neue Abfangjäger. Wollen wir das?
Es gibt in Österreich 300.000 Alleinerzieher. Davon 240.000 allein erziehende Mütter. Die Väter sind oft verschollen, die Alimente werden nicht bezahlt. Die Kinder bekommen einen Tag Erdäpfel, einen Tag Nudeln, einen Tag Erdäpfel, einen Tag Nudeln. Eine Zahnspange kann nicht finanziert werden. Da müsste man schon betteln gehen. Die Mutter der Kinder arbeitet. Schlechter Lohn, schlechte, kinderfeindliche Arbeitszeiten. Die österreichischen Frauen werden EU-weit am schlechtesten entlohnt.
Die Armut ist weiblich. Die Regierung weiß das. Tut sie was dagegen? Ja, sie bestellt Abfangjäger. Brauchen wir die?
Die schlecht bezahlten Frauen sollen Kinder kriegen. Das wollen Finanzminister, Vizekanzlerin und der finstere Sozialminister. Haben die Kinder? Nein. Es fehlen für die Kinder der schlecht bezahlten Mütter 100.000 Kindergartenplätze. Werden sie gebaut, finanziert? Nein, dafür ist kein Geld da. Wohl aber für Abfangjäger. Der blaue Himmel über dem Land soll ordentlich verpestet werden. Die Kinder sollen husten lernen.
Soll es so sein?
Das Pflegepersonal muss sparen. Vor allem bei den Alten. Die bettlägerigen Alten erhalten die letzte Windelhose um 8 Uhr abends. Dann wird Licht und Pflege abgedreht. Wer in der Nacht nass herumliegt, wird bald ein offenes Kreuz, ein Druckgeschwür haben. Schlechte Pflege: verkürztes Leben. Wir können uns keine Windelhosen für die Betagten leisten. Wohl aber bestellen wir uns milliardenschwere Abfangjäger. Alles hat seinen Preis.
Wollen wir das?
Das Kind der Bergbäuerin aus dem hintersten Paznauntal ist schwer erkrankt, muss in die Kinderklinik nach Innsbruck. Die Ärzte raten: Täglicher Besuch durch die Mutter, das tut dem Kinde gut. Täglich hin und zurück, das sind 200 Kilometer, das ist ein ganzer Tag. Sie fehlt auf dem Hof, sie fehlt den anderen Kindern. Früher gab es Hilfe, gab es auch Fahrtkostenersatz. Das ist jetzt alles gestrichen. Denn die Regierung spart bei den kleinen Leuten, damit sich ein paar dumme Große Abfangjäger leisten können.
Bei den Pensionisten wird gespart, auf den Pflegestationen spart man sich zu Tode, man lässt die Armut wachsen, man bestraft Patienten in Not mit Ambulanzgebühren, man besteuert das amputierte Bein und das verlorene Auge. Die Regierung plündert die Arbeitslosenversicherung, kürzt den Arbeitslosen, aber auch ihren Familien die Unterstützung. Ein Missbrauch treibender Zuhälter genügt, dass man auf alle in Not geratenen Arbeitslosen und deren Kinder mit dem Finger zeigen kann.
Ist das Nächstenliebe? Den unbarmherzigen Kanzler kümmert das alles nicht. Er will Abfangjäger, wir nicht. Daher: Unterschreiben Sie von 3. bis 10. April unser Volksbegehren Sozialstaat Österreich. Der Sozialstaat gehört durch die Verfassung geschützt. www.sozialstaat.at
Werner Vogt
GASTKOMMENTAR
Quelle:
Neue Kronen-Zeitung
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