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Die neuen Beschäftigten: flexibel, aber ausgenutzt

GERTRAUD LEIMÜLLER

Die Studie hätte nicht veröffentlicht werden sollen. Fast vier Monate lag sie in der Schublade des Arbeitsministeriums. Jetzt, in der Karwoche 2002, wissen wir warum: Die Ergebnisse stellen einem Land, dessen Arbeitsmarktdaten stets zu den besten der EU gehörten, kein gutes Zeugnis aus. Abseits der rundum abgesicherten 38- oder 40-Stunden-Anstellungen boomen McJobs, die in keiner Statistik aufscheinen. Die Betroffenen, und das sind mittlerweile Hunderttausende, müssen nicht nur geringere soziale und rechtliche Absicherung in Kauf nehmen. Sie werden mit erschreckend niedrigend Löhnen abgespeist. Eine Kostprobe gefällig? Die 200.000 Geringfügig Beschäftigten, die in Österreich gemeldet sind, überwiegend Frauen, tragen am Monatsende durchschnittlich nicht mehr als 113 Euro nach Hause. Gerade genug, um das Kind mit neuer Schulkleidung zu versorgen oder Heizung und Warmwasser für die Wohnung zu bezahlen.

Doch die Frage, ob der Aufwand dafürsteht, stellt sich nicht: Ein Großteil der "atypisch Beschäftigten" fühlt sich keinesfalls so modern und flexibel, wie diese Gruppe von Politik und Wirtschaft gerne dargestellt wird, sondern hätte lieber einen besseren Job. Der Befund, dass ihr Armutsrisiko zwei- bis dreifach so hoch wie in der Gesamtbevölkerung ist, sagt alles. Unter diesen Bedingungen kann man nicht warten, bis sich eine Anstellung bietet, sondern muss nehmen, was kommt. Die Gefahr, ausgebeutet zu werden, ist groß.

Das ist für einen Sozialstaat wie Österreich ein Alarmzeichen. Die Politik ist mit ihrem Glauben an die schöne neue Arbeitswelt, die gute Jobs en masse bringt und weiter zum Beschäftigungswunder beiträgt, gescheitert. Es mag schon sein, dass Studenten sowie Mütter und Väter mit kleinen Kindern von der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes profitieren. Es kann jedoch nicht angehen, dass unter diesem Deckmantel mehr und mehr Menschen in Richtung Armut abdriften und die Errungenschaften des Sozialstaats nur mehr jenen zustehen, die einen 40-Stunden-Normjob haben. Ein Vorwurf, der im Übrigen auch die Gewerkschaften trifft. Sie haben es jahrelang versäumt, sich um das wachsende Heer an "Freien", Teilzeit-Jobbern und Scheinselbstständigen zu kümmern.

Statt Studien zurückzuhalten, sollte sich die Politik den Kopf zerbrechen, wie sie diese Gruppen ins Sozialsystem einbinden wird. Man sollte überlegen, die Absicherung noch stärker vom Normalarbeitsverhältnis abzukoppeln. Länder, in denen das bereits passiert ist, etwa Dänemark, kommen mit dem Wandel auf den Arbeitsmärkten entschieden besser zurecht.

Zusätzlich braucht es rasch eine Senkung der Lohnnebenkosten. Wenn die Firmen nicht aufhören, Personal auszulagern, ist etwas faul im Lande.

Quelle: Salzburger Nachrichten


29.03.02