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Sozialschmarotzer - Serie

Also - nichts wars mit dem Disponenten, der lebt lieber weiter vergnügt von unserem Steuergeld. Aber der Spediteur hat auch - wie viele seiner Branchenkollegen - Ärger, wenn ein Lkw-Fahrer gebraucht wird. Das Arbeitsmarkt-Service (AMS) schickt zwar diensteifrig einen Bewerber nach dem anderen, doch fast alle wollen nur das eine - den begehrten Stempel, dass sie den Posten nicht bekommen haben. Um weiter das Arbeitslosengeld kassieren zu können.

Verräterisches Papier verloren . . .

Unser Firmenchef spielte da nicht mit - er schrieb auf den Zettel, dass die angeblichen Interessenten für den Job ja gar nicht arbeiten wollen. Folge: Die Herren teilten alle dem Arbeitsmarkt-Service zerknirscht mit, dass sie das verräterische Papier verloren hätten . . .

Diese Leute, die offenbar um keinen Preis einen fixen Job annehmen möchten, rücken durch solche Methoden alle Beschäftigungslosen in ein schiefes Licht. Viel mehr noch trägt dazu aber eine Schar Arbeitsunwilliger bei, die sogar auf kriminellen Wegen ihr bequemes Schmarotzerleben verteidigen.

Ein Transportunternehmer mit einer Firma am Wiener Stadtrand weiß, welch unglaubliche Dinge sich da ereignen. Die schon bekannte Szene: Ein Mann, den das AMS hingelotst hat, um sich als Lkw-Lenker vorzustellen, will - wie schon etliche Gleichgesinnte vor ihm - wieder nur "den Stempel". Der Chef lehnte ab, informierte das Arbeitsmarkt-Service schriftlich, dass der Bewerber nicht zu arbeiten gedenke. Worauf diesem die Arbeitslosenunterstützung gestrichen wurde, wie im Gesetz vorgesehen.

Ein paar Tage später kam der Mann erneut zum Transportunternehmer, baute sich drohend im Büro auf, neben sich einen Freund, der - so der Firmenchef - "furchterregend" aussah. Jetzt wolle er arbeiten, verkündete er - aber das Interesse des Unternehmers war verständlicherweise nicht mehr vorhanden.

Die Autoscheibe eingeschlagen

"Dann sorgen Sie wenigstens dafür, dass ich mein Arbeitslosengeld weiter bekomm", herrschte er den Firmenchef an. Nur mit allergrößter Mühe konnten die beiden unangenehmen Zeitgenossen zum Gehen "überredet" werden . . .

So harmlos enden solche Fälle jedoch nicht jedes Mal - mancher Angestellte des Arbeitsmarkt-Services erlebte bereits regelrechten Terror. Eine eingeschlagene Autoscheibe oder zerstochene Reifen aus Rache, weil er einem Arbeitsscheuen die "Stütze" entzogen hatte. Dieser lehnte einen angebotenen Job nach dem anderen unter fadenscheinigen Begründungen ab und wollte sein Dasein als Schmarotzer partout nicht beenden.

Übrigens: Die richtigen "Profis" in Sachen "Wie drücke ich mich am besten vor einer geregelten Arbeit?" treten anders auf - als scheinbar Übereifrige. Während eines angeregten Gesprächs mit dem künftigen Chef schieben sie den Zettel des AMS diesem auf dem Tisch ständig näher. Ganz "unauffällig". Und dazwischen versichern sie ständig, dass sie am liebsten sofort anfangen möchten. Das Ende des Spiels: Der "Profi" verlässt die Firma - mit Unterschrift und ohne Arbeitsvertrag. Er hat den Chef mit seinem Schmäh "eingewickelt", ehe dieser überhaupt merkte, was sein Gegenüber eigentlich bezweckte.

Wir dürfen aber nicht glauben, dass sich solche Szenen nur im Transportgewerbe abspielen - kaum eine Branche ist davor gefeit. Ein Hotelier aus dem südlichen Niederösterreich sucht seit einem Jahr vergeblich eine Service-Fachkraft, seit einem halben eine Küchenhilfe. "Was mir das Arbeitsmarkt-Service da vermitteln wollte, ist unglaublich", seufzt der Gastronom. "Sogar eine Masseurin haben sie mir geschickt, die wollte massieren und nicht servieren."

Der leid- und AMS-geplagte Hotelier hatte nicht einmal Erfolg bei den Bewerberinnen, als er ihnen anbot, sich die Arbeitszeit selbst auszusuchen. Wegen der Kinder und der Verkehrsverbindungen.

Und ein Bäcker bekam als "Angebot" vom AMS einen arbeitsunwilligen Alkoholiker in die Backstube geschickt . . .

Apropos unwillig: Wer nicht arbeiten möchte, der bekommt vom Gesetzgeber gleich die passenden Argumente mitgeliefert. Es muss sich beispielsweise niemand ins Nachbar-Bundesland vermitteln lassen - so hat ein Arbeitsloser aus dem 23. Wiener Bezirk bei einem Job-Angebot in der Shopping City Süd, knapp neben der Stadtgrenze, verneinend den Kopf schütteln dürfen.

Oder der so genannte Berufsschutz: Ein gelernter Schlosser, der zuletzt als spezialisierter Spritzgussschlosser tätig war, muss keinen "normalen" Posten in seinem Beruf mehr annehmen.

Eishockey-Spieler als Schülerlotse

Ein Ex-Eishockeyspieler aus Kärnten, der nach Beendigung seiner Sportler-Karriere im Berufsalltag nicht Fuß fassen konnte, gab es allerdings billiger - er ließ sich vom Arbeitsmarkt-Service in die Uniform eines Schülerlotsen stecken . . .

Morgen lesen Sie: Sogar der Chef hält die Hand auf. Allerlei Tricks, um die öffentlichen Geldquellen anzuzapfen.

Quelle: Neue Kronen-Zeitung


16.04.02